Leitfaden

Mobbing-Intervention in 10 Schritten

Der Begriff Mobbing bezeichnet eine systematische, geplante, sich wiederholende Gewaltform. Übergriffe werden dann Mobbing genannt, wenn sie verschiedene Bedingungen erfüllen. Neben einer Mindestdauer von einem Monat muss eine Regelmäßigkeit gegeben sein, in der schädigende Handlungen wie zum Beispiel Verleumdung, Beschimpfungen direkter und indirekter Art, körperliche Gewalt, Wegnehmen von Sachen, Verfälschen von Informationen oder ein sozialer Ausschluss stattfinden. Ein weiteres zentrales Merkmal stellt das zu Ungunsten des Opfers existente, stabile Machtgefälle dar. Mobbing ist ein Täterproblem, da dem Opfer eine bestimmte Eigenschaft oder Schwäche zugeschrieben wird, die vordergründig eine Rechtfertigung ermöglicht, nach Belieben mit dem bzw. der Mitschüler*in zu verfahren. Dahinter steckt häufig ein ausgeprägtes Bedürfnis des Täters, Beachtung bzw. Aufmerksamkeit zu erfahren. Bei Mobbing innerhalb einer Klassengruppe offenbart sich bereits nach kurzer Zeit mitunter ein „Gewöhnungseffekt“, dem eine Anpassung des Umfelds der Meinungsmacher vorausgeht. Deutlich wird dies daran, dass sich Mitschüler*innen Schritt für Schritt anpassen, statt Gegenwehr zu leisten und dem Opfer zur Hilfe zu eilen, aus Sorge um das eigene Wohlbefinden (Anpassungsdruck). Beleuchtet man die Ursachen von aktiven Mobbingprozessen näher, so zeichnen sich sowohl gesellschaftliche als auch familiäre und schulische Faktoren ab. Dabei spielen Einflüsse verschiedentlicher Art eine maßgebliche Rolle.  Die Folgen für das oder die Opfer sind erheblich. Neben einer notgedrungenen Veränderung des Verhaltens und der Persönlichkeit, der Entwicklung eines negativen Selbstbildes zeichnen sich bei Betroffenen oft psychosomatische Auswirkungen wie z.B. Bauch- und Kopfweh, Übelkeit sowie psychosoziale Auswirkungen (depressive Symptome) ab. Schulleistungen nehmen ab, Rachegedanken und Schulangst gewinnen Raum. Mindestens ebenso schädlich sind die Folgen für den oder die Täter. Diese lernen einerseits, dass Regelbrüche Erfolg und Anerkennung versprechen. Andererseits manifestieren sich in ihnen Verhaltensweisen, die aggressive Umgangsformen beinhalten. Nicht zuletzt leidet auch die gesamte Lerngruppe unter Mobbing. Mitschüler*innen verlernen, was akzeptables soziales Verhalten ist, ein Gefühl der Angst entwickelt sich bei vielen, sich lächerlich zu machen und somit selbst zum Opfer aktiver Mobbingprozesse zu werden.

 

Schritt 1: Klärung und Sicherung
  • Wichtige Fragen klären:
  • Handelt es sich um Mobbing?
  • Welche Form hat das Mobbing?
  • Wie lange dauert es bereits an?
  • Wer sind die Täter? Wer sind die Opfer?

Protokollieren der relevanten Erkenntnisse

  • Einzelgespräche zusammen mit KollegInnen
  • mit Täter(n), mit Opfer(n), mit SchülerInnen des Vertrauens
  • evtl. Protokolle/Berichte unter Klassenarbeitsbedingungen anfertigen lassen (von Einzelnen oder der gesamten Klasse)

 

Schritt 2: Schutz des Opfers
  • dem Opfer Erreichbarkeit und Unterstützung anbieten
  • Warnung des/der Täter/s vor verschärften Konsequenzen, die weitere Übergriffe mit sich bringen würden

 

Schritt 3: Informieren der Schulleitung und betroffener KollegInnen
  • detailliertes Absprechen des weiteren Vorgehens
  • bei gravierenden Mobbingvorfällen Information der Eltern des Opfers und des/der Täter/s

 

Schritt 4: Bewerten des Mobbings
  • Ist Sanktionierung erforderlich?
  • Ist allgemeine Elterninformation erforderlich?

 

Schritt 5: Sanktionierung
  • nur sinnhaft, wenn sie als Strafe wahrgenommen werden und wirken
  • gründliche Vorbereitung, wenn sie zu Ordnungsmaßnahmen führen
  • bei kriminellen Delikten: Anzeige

 

Schritt 6: Kooperation im Kollegium
  • Austausch über das Klassengeschehen und Fehlentwicklungen
  • Austausch/Festlegung zu gemeinsamen Interventions- und Sanktionsstrategien

 

Schritt 7: Arbeit mit der Klasse
  • Information zu Mobbing und den Vorfällen ohne Bloßstellung
  • Hinweis, immer Verbündete gegen das Mobbing zu suchen
  • Vereinbarungen: z.B. Allgemeine Selbstverpflichtung zum Helfen, konkrete, individuelle Aufgaben, dem Opfer beizustehen
  • Klassenrat / Helfersysteme (z.B. Coaching)

 

Schritt 8: Elternarbeit
  • Elternabend zur Aufklärung über Vorfälle in Klasse und Bitte um Unterstützung für schulische Maßnahmen gegen Mobbing
  • Eltern des/der Täter/s sollen Maßnahmen unterstützen
  • mit Eltern des Opfers konkrete Schritte planen, die zur Überwindung des Mobbings beitragen

 

Schritt 9: Weitere Arbeit mit Opfer und Täter
  • Opfer aus Opferrolle lösen, es soll so schnell wie möglich zum Subjekt seiner Handlungen werden
  • Maßnahmen ergreifen, die Selbstbewusstsein stärken, Reintegration
  • Täter muss abgehalten werden von weiteren Mobbinghandlungen
  • Vermittlung von Einsicht durch Konfrontationsgespräch(e)

 

Schritt 10: Nacharbeit
  • regelmäßige Nachtreffen und Nachbesprechungen
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